Ein Notvorrat ist keine Bunkermentalität, sondern gesunder Menschenverstand. Die amtliche Empfehlung lautet zehn Tage und zwei Liter Wasser am Tag. Wir halten beides für zu knapp und sagen Ihnen offen, warum, und mit welchen Zahlen wir stattdessen rechnen.
Die Idee hinter dem Notvorrat ist einfach: Wenn für einige Tage nicht mehr funktioniert, was sonst selbstverständlich ist, sollen Sie nicht in den Supermarkt-Ansturm müssen. Kein Strom heißt oft auch keine Kasse, keine Kühlung, kein Nachschub. Wer vorbereitet ist, bleibt ruhig und handlungsfähig.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt einen Vorrat für rund zehn Tage und rechnet mit zwei Litern Wasser pro Person und Tag, davon anderthalb zum Trinken und einen halben zum Kochen. Das ist als Untergrenze gedacht, und genau so sollte man es lesen: als das Minimum, unter das niemand fallen sollte. Nicht als Ziel.
Rechnen Sie einmal mit: eine einzige Toilettenspülung verbraucht 6 bis 9 Liter. Mit der amtlichen Tagesration kommen Sie also nicht einmal zweimal aufs Klo. Von Abwasch, Zähneputzen, einer Katzenwäsche, einem kranken Kind oder einem Hund ist da noch gar nicht die Rede.
Wir haben in unseren Analysen viele Haushalte gebeten, ihren Wasserverbrauch 24 Stunden lang ehrlich zu messen, inklusive Hygiene und Kochen. Das Ergebnis liegt regelmäßig zwischen acht und zehn Litern pro Person und Tag. Deshalb rechnen wir so:
Die 3+3-Regel: 3 Liter zum Trinken plus 3 Liter für Kochen und Hygiene. Macht 6 Liter pro Person und Tag als Untergrenze, realistisch sind 8 bis 10 Liter. Für einen vierköpfigen Haushalt und 14 Tage sind das rund 336 bis 560 Liter.
Das ist das Drei- bis Fünffache der amtlichen Zahl. Es klingt nach viel, und das ist der Punkt: 560 Liter sind 28 Kanister zu 20 Litern. Das ist der Moment, in dem den meisten klar wird, dass ein paar Sixpacks Mineralwasser keine Vorsorge sind, sondern Beruhigung.
Die wertvollsten Minuten des ganzen Ereignisses sind die ersten. Solange noch Wasser läuft, füllen Sie alles: Badewanne, jeden Topf, jeden Kanister, jeden Eimer. Wer das sofort tut, hat 200 Liter. Wer eine Stunde überlegt, hat den Spülkasten.
Pauschal mit 2.200 Kilokalorien zu rechnen, ist bequem, aber ungenau. Wir planen differenziert:
| Person | Kilokalorien pro Tag |
|---|---|
| Mann, moderate Aktivität | 2.300 bis 2.600 |
| Frau, moderate Aktivität | 1.800 bis 2.100 |
| Kind, je nach Alter | 1.200 bis 2.000 |
| Aufschlag bei Kälte, Arbeit, Stress, schlechtem Schlaf | plus 10 bis 20 Prozent |
Und rechnen Sie nicht mit dem Bedarf eines ruhigen Bürotages. In einer Lage ist es kälter, Sie bewegen sich mehr, Sie schlafen schlechter. Der Bedarf steigt, er sinkt nicht.
Der wichtigste Hebel ist Fett. Ein Gramm Fett hat 9 Kilokalorien, ein Gramm Nudeln oder Eiweiß nur 4. Zwei Liter Rapsöl sind rund 18.000 Kilokalorien und passen in eine Ecke. Fast jeder Vorrat, den wir prüfen, hat zu viele Nudeln und zu wenig Fett.
Diese Mengen ergeben rund 64.000 Kilokalorien, verteilt nach der Regel 50 bis 55 Prozent Kohlenhydrate, 30 bis 35 Prozent Fett, 15 bis 20 Prozent Protein. Für andere Haushaltsgrößen rechnen Sie hoch oder runter, für Kinder grob mit zwei Dritteln.
| Gruppe | Menge | Warum |
|---|---|---|
| Nudeln, Reis, Haferflocken, Couscous | 4 kg, 3 kg, 2 kg, 1 kg | Die Basis. 500 g Nudeln sind rund 1.800 kcal |
| Kartoffelpüree, Knäckebrot, Mehl | 1 kg, 1 kg, 2 kg | Knäckebrot geht ohne jede Zubereitung |
| Rapsöl, Olivenöl | 1,5 L, 0,5 L | Der Kalorienhebel, siehe oben |
| Erdnussmus, Nüsse | 1 kg, 1 kg | Energiedicht, sofort essbar |
| Linsen, Bohnen, Kichererbsen | 1,5 kg, 6 Dosen, 4 Dosen | Protein, lange haltbar |
| Thunfisch, Makrele, Fleischkonserven | 6, 6, 4 Dosen | Fisch in Öl, nicht in Wasser: das Öl zählt mit |
| Dauerwurst, Hartkäse | 1 kg | Braucht keine Kühlung, wenn kühl und trocken |
| Fertiggerichte | 12 Dosen | Für die Tage, an denen niemand kocht. Die kommen |
| Kaffee, Schokolade, Gewürze | nach Geschmack | Kein Luxus. Normalität hält Familien zusammen |
Nach sieben bis zehn Tagen ohne ausreichend Protein merken Sie es an Kraft, Regeneration und Laune, und zwar deutlich. Und ein Vorrat, den niemand mag, wird nie gegessen und deshalb nie erneuert. Er steht drei Jahre im Keller, sieht beruhigend aus und ist im Ernstfall abgelaufen.
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Eine Vorratsliste ist ein guter Anfang, aber sie ist generisch. Sie weiß nichts von Ihrem Standort, Ihrer Wohnsituation, den Menschen und Tieren in Ihrem Haushalt oder Ihren Abhängigkeiten. Eine alleinstehende Person in der Stadt braucht etwas anderes als eine Familie auf dem Land oder ein älteres Paar mit medizinischen Geräten am Strom.
Sie sagt Ihnen auch nicht, ob Ihr Wasser ohne Strom überhaupt bis in Ihre Etage kommt, ob Ihr Vorrat den Winter übersteht, wenn die Heizung steht, oder ob Ihre Medikamente das schwächste Glied sind.
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