Zwei Wochen sind der Einstieg, vier Wochen sind der eigentliche Planungshorizont. Der Sprung dazwischen ist aber keine Verdopplung der Einkaufsliste. Ab Woche drei kippt die Logik: Aus Lagern wird Versorgen. Wer das übersieht, hat viel Ware im Keller und trotzdem ein Problem.
Die meisten Listen im Netz enden bei zehn oder vierzehn Tagen, und das hat einen Grund: So lange trägt reines Lagern. Sie kaufen mehr von dem, was Sie ohnehin essen, stellen es in den Keller und sind fertig. Alles, was länger dauert, funktioniert anders. Nicht schwieriger, aber anders.
Wir empfehlen vier Wochen, weil fast alle realistischen Lagen in diesem Fenster liegen: ein längerer Stromausfall, eine unterbrochene Lieferkette, eine Quarantäne, ein Hochwasser mit zerstörter Infrastruktur, ein Cyberangriff auf Zahlungsverkehr oder Versorger. Vier Wochen sind der Punkt, an dem Sie nicht mehr auf schnelle Normalisierung wetten müssen.
Bei einer Verdopplung des Zeitraums wachsen drei Dinge nicht linear mit, sondern werden zum eigenen Thema:
Die Faustregel: Bis 14 Tage planen Sie Vorrat. Ab 14 Tagen planen Sie Versorgung, also Wasseraufbereitung, Brennstoff, Hygiene und Nachschub aus eigener Hand.
Rechnen Sie personenbezogen, nicht pauschal. Für zwei Erwachsene mit moderater Aktivität ergibt sich:
| Posten | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Mann, moderat | 2.400 kcal x 28 Tage | 67.200 kcal |
| Frau, moderat | 1.950 kcal x 28 Tage | 54.600 kcal |
| Zwischensumme | 121.800 kcal | |
| Aufschlag Kälte, Arbeit, Stress | plus 15 Prozent | rund 140.000 kcal |
Rund 140.000 Kilokalorien für zwei Personen und vier Wochen. Für Kinder rechnen Sie grob mit zwei Dritteln eines Erwachsenen, für einen vierköpfigen Haushalt mit rund 240.000 Kilokalorien.
Jetzt der Teil, der überrascht: Diese Energie wiegt sehr unterschiedlich viel, je nachdem, woraus sie besteht. Trockenware liefert rund 3.500 Kilokalorien pro Kilogramm, Konserven nur 800 bis 1.000, weil Sie überwiegend Wasser einlagern und bezahlen. Ein Vorrat aus lauter Dosen wiegt für dieselbe Energie das Drei- bis Vierfache und braucht entsprechend Platz.
| Vorratstyp | kcal pro kg | Gewicht für 140.000 kcal |
|---|---|---|
| Trockenware, Öl, Nüsse | rund 3.500 | rund 40 kg |
| Gemischter Vorrat, realistisch | rund 2.200 | rund 64 kg |
| Überwiegend Konserven | rund 900 | rund 155 kg |
Der Zielkorridor liegt bei 60 bis 70 Kilogramm für zwei Personen. Konserven bleiben trotzdem wichtig, weil sie ohne Zubereitung essbar sind und Fett und Protein liefern. Aber sie sind die Ergänzung, nicht das Fundament.
Ein Vier-Wochen-Vorrat wird nicht gleichmäßig verbraucht. Wer weiß, was wann dran ist, verschwendet in Woche eins nichts, was in Woche vier fehlt.
| Zeitraum | Was Sie essen | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Tag 1 bis 3 | Kühlschrank und Gefriertruhe, in dieser Reihenfolge | Türen geschlossen halten. Eine volle Truhe hält 24 bis 48 Stunden. Was auftaut, wird gekocht und gegessen, nicht wieder eingefroren |
| Tag 4 bis 10 | frische Lagerware: Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren, Kohl, Äpfel, Hartkäse, Eier | Diese Woche ist die kulinarisch beste. Nutzen Sie sie, statt Konserven anzubrechen |
| Tag 11 bis 21 | der klassische Vorrat: Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte, Konserven, Öl | Jetzt beginnt die Routine. Feste Essenszeiten helfen mehr, als man denkt |
| Tag 22 bis 28 | Reserve, Trockenvorrat, Sprossen, Selbstgebackenes | Diese Woche entscheidet, ob Ihr Plan trägt. Sie ist bei fast allen die dünnste |
Die vierte Woche ist der ehrliche Test. Rechnen Sie Ihren Vorrat einmal rückwärts: Was wäre an Tag 28 noch da? Wenn die Antwort "Nudeln und Salz" lautet, fehlt Fett und Protein.
28 Tage warm essen bedeutet, ohne Herd zu kochen. Zwei Personen mit zwei warmen Zubereitungen am Tag brauchen etwa 25 bis 30 Minuten Brennzeit täglich, über vier Wochen also rund 13 bis 15 Stunden.
Eine 230-Gramm-Schraubkartusche brennt bei mittlerer Flamme rund 60 bis 70 Minuten. Sie brauchen also 12 bis 15 Kartuschen, nicht die zwei, die im Campingregal stehen. Bei Spiritus rechnen Sie mit rund 30 Millilitern pro Liter Kochwasser, das sind über vier Wochen etwa 8 bis 10 Liter.
Drei Punkte dazu, die nicht verhandelbar sind:
Wer den Brennstoff halbieren will, plant Einweichen ein: Hülsenfrüchte über Nacht in kaltem Wasser einweichen, dann kochen sie in einem Drittel der Zeit. Ein Warmhaltebeutel oder eine Kiste mit Decken macht aus 20 Minuten Kochen 5 Minuten Kochen plus eine Stunde Nachgaren.
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Hier ist Ehrlichkeit wichtiger als Dramatik. Skorbut ist bei vier Wochen kein Thema. Der Körper hat Vitamin-C-Speicher für zwei bis drei Monate, und wer etwas anderes behauptet, verkauft Ihnen Angst. Was in vier Wochen dagegen sehr wohl passiert:
Der beste Frischehebel ohne Garten sind Sprossen. Ein Kilogramm Mungbohnen oder Linsen kostet wenige Euro, hält Jahre und ergibt in drei bis vier Tagen ein Vielfaches an frischen Sprossen. Sie brauchen dafür nur ein Glas, Wasser und Licht, keinen Strom, keine Erde. Dazu Sauerkraut aus der Dose oder dem Glas, das liefert Vitamin C und Milchsäurebakterien.
60 bis 70 Kilogramm Lebensmittel für zwei Personen sind je nach Einkauf 400 bis 600 Euro. Diese Menge rotiert nicht mehr nebenbei durch die Küche. Genau daran scheitern die meisten großen Vorräte: Sie werden einmal angelegt, nie angefasst und sind nach drei Jahren abgelaufen.
Trennen Sie deshalb in zwei Depots:
| Depot | Inhalt | Umgang |
|---|---|---|
| Depot A, rund 14 Tage | alles, was Sie ohnehin essen | steht in der Küche und wird gelebt: Neues nach hinten, Älteres nach vorn |
| Depot B, Woche 3 und 4 | Langzeitware: Reis, Öl, Nüsse, Hülsenfrüchte, Vollkonserven, Trockenmilch | steht separat, wird einmal im Jahr geprüft und gezielt aufgebraucht |
Setzen Sie sich zwei feste Termine im Jahr, etwa zur Zeitumstellung. Depot B durchsehen, was im nächsten Jahr abläuft, wandert in die Küche und wird ersetzt. Zwanzig Minuten, zweimal im Jahr. Und lagern Sie nicht alles an einem Ort: Ein Wasserschaden, ein Brand oder ein Einbruch darf nicht Ihre gesamte Vorsorge entwerten.
Ein guter Plan für vier Wochen beantwortet die Frage, was Sie essen. Er beantwortet nicht, ob Sie es zubereiten können, ob Ihr Wasser ohne Strom bis in Ihre Etage kommt, ob Ihre Wohnung im Januar ohne Heizung bewohnbar bleibt oder ob Ihre Dauermedikamente die entscheidende Lücke sind.
Nahrung ist ein Lebensbereich von zwölf, und in unseren Analysen ist sie überraschend selten das schwächste Glied. Häufiger sind es Wasser, Wärme, Medikamente oder schlicht die Frage, wer im Ernstfall welche Entscheidung trifft. Ein voller Keller neben einer offenen Flanke ergibt keine Sicherheit, sondern ein gutes Gefühl an der falschen Stelle.
Deshalb rechnen wir bei Protect-12 nicht nur Mengen, sondern Reihenfolgen: welche Lücke bei Ihnen zuerst zuschlägt, welche Maßnahme die größte Wirkung pro Euro hat und was Sie sich getrost sparen können. Der wirksamste Hebel ist selten die nächste Anschaffung. Meistens ist es die richtige Reihenfolge.
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