Der Hof im Voralpenland
01Die Ausgangslage
Ein bewirtschafteter Hof in Alleinlage, zwei Erwachsene, Tiere, eigene Quelle, Holzofen, über Jahrzehnte gewachsene Vorräte. Ein Haushalt, der sich zu Recht als gut aufgestellt empfand. Die Anfrage kam nicht aus Sorge, sondern aus Neugier: Wir glauben, wir stehen gut da. Wir wollen wissen, ob das stimmt.
Der Fragebogen bestätigte den ersten Eindruck. Wasser, Nahrung, Wärme und Energie lagen deutlich über dem, was wir bei den meisten Haushalten sehen. Die Reichweite bei Trinkwasser war praktisch unbegrenzt, beim Heizen lag sie bei mehreren Monaten. In vier von zwölf Modulen war der Hof besser aufgestellt als jede Empfehlung, die wir hätten geben können.
Der Befund
Kommunikation und Information. Ohne Strom und ohne Netz wäre der Hof hervorragend versorgt und zugleich vollständig blind gewesen. Keine Ausstattungslücke, eine Systemlücke.
Die Alleinlage, die bei Vorrat und Wärme ein Vorteil war, kippte hier ins Gegenteil. Der nächste Nachbar lag zu weit weg für Zuruf, Mobilfunk war schon im Normalbetrieb schwach, und es gab kein einziges Gerät im Haus, das ohne Netz eine Verbindung nach außen herstellen konnte. Im Verlauf der Szenarienrechnung zeigte sich das immer wieder: der Hof hätte Wochen durchgehalten, aber ab Stunde zwölf nicht mehr gewusst, was draußen passiert, und niemand hätte gewusst, wie es dem Hof geht.
Dazu kam ein zweiter Punkt, der ohne den ersten harmlos gewesen wäre: es existierte keine Absprache. Kein fester Zeitpunkt, zu dem man sich meldet, kein Treffpunkt, keine Regel für den Fall, dass einer der beiden unterwegs ist. In einem Haushalt mit zwei Personen fällt so etwas nicht auf, solange das Telefon funktioniert.
Die größten Hebel
Was daraus wurde
Alles beschafft, Abläufe stehen
Geräte da, Meldezeiten vereinbart, Karte an der Innenseite der Haustür. Die komplette Sofort-Stufe war abgehakt.
Zwei Übungen gelaufen
Beim zweiten Mal fiel auf, dass die Reichweite im Talkessel schlechter war als angenommen. Der Sammelpunkt wurde daraufhin verlegt.
Routine statt Projekt
Der Funkcheck läuft nebenher, das Radio steht auf der Fensterbank. Der Gesamtwert des Hofes stieg stärker als durch jede Anschaffung der letzten Jahre.
Fazit
Die teuerste Lücke war die billigste Reparatur. Wirkung hängt nicht am Budget, sondern an der Reihenfolge.
Bemerkenswert an diesem Fall: der Hof hätte für zehntausend Euro weiter aufrüsten können, ohne dass sich am eigentlichen Problem etwas geändert hätte. Genau dafür gibt es Modul 12, die Prüfung des Zusammenspiels.